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Seriesly – „Louie“

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Der TV-Markt ist eigentlich gesättigt mit Comedy-Serien. Besonders macht sich dies in den USA bemerkbar, wo so gut wie jeder große Broadcaster eine sein Eigentum nennen kann (Big Bang Theory (CBS), The Office (NBC),  Modern Family (ABC) etc.). Oftmals erfreuen sich diese Serien sehr großer Beliebtheit was sich in Quoten und Emmy-Nominierungen äußert. Dieser Erfolg hat jedoch seine Schattenseiten. Es wird immer mehr für den Massenmarkt produziert um ein möglichst großes Publikum anzusprechen. Grausige Manifestationen dieser Entwicklung ist die Rückkehr zu den Lachern vom Band. Dass diese „vor einem Live-Publikum eingespielt worden sind!!“ macht die Sache nicht unbedingt besser, denn noch immer scheinen die Macher mir vorzuschreiben, wo und wann ich lachen soll. Bei etwas älteren Serien wie „Eine schrecklich nette Familie“ hatte es noch einen Trashfaktor, da in spaßiger Regelmäßigkeit sich unter die einfachen Lacher auch „Boo“-Rufe sowie „Oooh“-Rufe mischten, die selbst ein Teil der Komik wurden. Wieso das aber heute quasi noch immer an der Tagesordnung bei Comedy-Serien der Fall ist, weiß ich nicht. Sind die Serien einfach nicht witzig genug um für sich selbst zu stehen? Oder halten die Macher uns noch immer für abgerichtete Pawlow-Hunde, die auf jeden Lacher mit einem Gegenlacher reagieren sollen?

Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass es Serien gibt, die nicht in dieses Schema fallen. Es gibt sogar solche Serien, die das klassische Schema einer Comedy-Serie bewusst ignorieren um nachhaltige Kunst zu schaffen. Zu so einer Serie gehört imo „Louie“ (FX).

Die Serie handelt von einem Stand-Up Comedian namens Louie, gespielt von Louis CK, der sich durch den Alltag seines Lebens kämpft. So sind allerlei Probleme zu bewältigen, wie die Aufzucht seiner beiden Töchter aus einer gescheiterten Ehe, das ewige Duell mit seinem Gewicht und das Auffinden eines geeigneten Partners für den Koitus. Dies alles fällt ihm nicht gerade leicht, da er zu depressiven Anfällen neigt. Genau das ist die komödiantische Essenz dieser Serie. Wir sehen einen, oberflächlich, gescheiterten Mann, der nicht viel mit seinem Leben anfangen kann. Allerdings sollte man auf keinen Fall seine Komik nur auf Agonie und Melancholie reduzieren. Die Serie beinhaltet sehr viel pointierten Gesellschaftshumor und bietet immer wieder einige Lichtblicke was die Ausgangslage des Hauptprotagonisten angeht. Der letztere Umstand sorgt u.a. dafür, dass man sich nicht vor lauter Weltschmerz aus dem Fenster katapultiert.

„Louie“ ist eine tour de force, eine Wanderung zwischen surrealer Genialität und selbstzerstörerischem Alptraum. Die Komplexität dieser Serie, die sich jeglicher konventioneller Genregrenzen entzieht, gründet auf den kreativen Ausgeburten eines einzelnen Mannes, der es schafft sowohl Produzent, Regisseur, Autor und Schauspieler gleichzeitig zu sein, als auch keinen dieser Schaffensaspekte zu vernachlässigen.

Die Serie ist keine leichte Kost. Mal versinkt man in Fremdscham, wenn Louie direkt vor seinem Date von Halbstarken Jocks zurechtgewiesen wird („Bully“), mal trauert man mit dem Hauptcharakter, weil er sich kein Apartment leisten kann, welches „perfekt“ für ihn und seine Töchter gewesen wäre („Moving“). Doch auch in den schier ausweglosen Momenten findet der Comedian/Schauspieler immer wieder durch Humor den Weg zurück, zurück in ein fast normales Leben zwischen Erziehung, Binge Eating und deprimierender Onanie. Weit ab von Mainstream-Unterhaltung zeichnet Louis CK eine Welt, die unserer sehr ähnlich ausschaut, doch immer mal wieder aus dem Rahmen zu Fallen scheint, genau wie ihr Protagonist. In solchen Momenten starrt man mit weit geöffneten Augen auf die Mattscheibe und versucht die Dinge zu begreifen, doch man kann es nicht immer. Auch hier findet sich wieder eine Parallele zum Protagonisten, denn meist sind absurde Situationen auch für ihn völlig unverständlich. Und genau wie im „wahren Leben“ werden diese des Öfteren nicht aufgeklärt. Es wird für immer ein Mysterium bleiben wieso die Regierung Obdachlose von der Straße entführt und andere an ihren Platz stellt („Moving“).

Schlussendlich bleibt zu sagen, dass „Louie“ die aktuell wohl realistischste Serie im TV ist, gerade wegen der erwähnten Absurditäten. Der Realismus kommt nicht unbedingt von den Charakteren, von denen einige mehr als überzeichnet sind (Louie’s Arzt Ben), sondern von den Situationen, den Dialogen und vor allen den Emotionen des Protagonisten. Es ist leicht als Zuschauer mit Louie zu fühlen, weswegen auch der Trip mit ihm durch New York City so viel Spaß bereitet.

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