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Hähne legen Eier (enhält Spoiler auf Inception und ggf. Donnie Darko)

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Es ist nicht kompliziert, es ist komplex. Wenn man es auf eine filmische Ebene herunterbricht ähnelt es mehr „Donnie Darko“ als „Inception“. Beim Letzteren gibt es verdammt nochmal viele Traumebenen. Es wird in aller Breite genügsam erklärt was eigentlich die ganze Zeit abgeht, was ja schon allein ein Indiz dafür ist, dass die Story nicht gut ausgearbeitet sein kann. Es gibt tausende Protagonisten (mindestens!), die verschiedene Motivation haben. Und ein James-Bond-Videospiel-Schnee-Level, der so fehl am Platz war wie Zensur in Pornofilmen. Und ein offenes Ende! Doch kann Di Caprio noch so viel dramatisch gucken, letzten Endes ist der Film nicht tiefgründig, sondern eher ermüdend und umständlich. Es gibt ZU viele Traumebenen, ZU viel wirres Zeug, ZU viele bedeutungsschwangere Dialoge. Dabei ist das Thema an sich gar nicht schwierig. Ja, man hüpft von einer Bewusstseinsebene zur anderen und landet am Ende im Limbo, und kommt dann aber da raus, oder etwa nicht (DUM DUM DUUUUUUM)? Es bleibt nur der Kreisel übrig und die Frage, ob er stehen bleiben oder fallen wird. Nur das ist wichtig. Das heißt im Endeffekt also, dass die vorherigen 147 Minuten nur deshalb bedeutsam waren um bei dem Zuschauer eine emotionale Bindung zum Hauptcharakter und seiner Backgroundstory zu erzwingen. Alles ist plötzlich unwichtig und nur diese eine Frage bleibt im Raum stehen.

Wenden wir uns nun „Donnie Darko“ ZU, der von alledem nichts hat. Der Film greift jedoch so bewusstseinsmalträtierende Themen wie Zeitreisen, Bestimmung und Paralleluniversen auf. Der Rahmen, die Dialoge und die Charaktere haben aber nichts Kompliziertes an sich. Es geht um einen psychisch labilen Jungen, der gerade die Pubertät durchlebt. Plötzlich scheint das ganze Gewicht der Welt auf seinen Schultern zu lasten. Er fühlt sich in der Schule unterfordert, neigt zu abweichendem Verhalten. Er verliebt sich PUNKT Wieso hinterlässt dann aber der Film den Zuschauer mit tellergroßen Pupillen und offenen Mund? Wieso muss man atemringend gen Abspann blicken ohne auch nur eine Kampfsequenz in der Schwerelosigkeit erlebt zu haben? Wieso löscht dieser Film jeden Gedanken an etwas anderes aus? Weil er komplex ist. Man kann, nein man muss über ihn reden und nicht Minuten, nicht Stunden, nicht Tage, sondern sein ganze Leben. Und auch dann kann man ihn objektiv nicht vollends begreifen. Nicht weil er danach aus ist den Zuschauer zu verwirren, nicht weil er etwas verlangt was unmöglich ist. Sondern weil er fordert. Er ist schweißtreibend und anstrengend. Zu keinem Zeitpunkt möchte man aber aufhören über ihn nachzudenken. Egal wie unmöglich es erscheint ihn begreifen zu können, man möchte es wagen. Man möchte sich auf das Abenteuer einlassen, auch wenn man weiß, dass man an den Rand des Wahnsinns getrieben werden könnte.

Die Ausgangssituation nach einem wirklich schlechten Film ist doch die: man sucht nach einer schwarzen Katze im Dunkeln, die es nicht gibt. Die Ausgangssituation nach „Donnie Darko“ ist nicht viel anders. Es gibt immer noch die schwarze Katze, es ist immer noch dunkel und man muss immer noch suchen. Nun aber sucht man nicht nach der Katze, sondern nach dem Lichtschalter, den es verdammt nochmal definitiv gibt, sonst wär das Zimmer ja nicht dunkel. „Donnie Darko“ ist nicht unmöglich zu entschlüsseln, zumindest nicht subjektiv, da man ungefähr weiß wo an einer Wand sich der Schalter befindet, um bei der zugegebenermaßen etwas gezwungenen Analogie zu bleiben. Trotzdem muss man seinen Kopf tatsächlich anstrengen, den Film Revue passieren lassen und aus jedem erdenklichen Blickwinkel betrachten. Es reicht sich nicht die einfach die Interpretation des Machers durchzulesen und den Film auf den „Erledigt“-Stapel abzulegen. Mal abgesehen davon: seit wann darf ein Künstler vorgreifen und dem Konsumenten einen Lösungsansatz bieten oder gar aufzwingen?

Donnie Darko ist wie dieser Text, nein Moment dieser Text ist Donnie Darko, nein also nochmal von vorne. Es ist komplex, genau wie dieser Text. Er sieht auf den ersten Blick recht schlüssig aus, am Ende fragt man sich jedoch was das alles überhaupt soll (und ob die Analogie mit der Katze überhaupt Sinn gemacht hat). Also worum geht es hier eigentlich? In Wirklichkeit geht es um die furchtbare Konsistenz von Fruchtsalat und das Hähne Eier legen können.

 

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