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Die besten Serien 2012 – Louie

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Mit keiner anderen aktuellen Serie musste ich zeitweise so kämpfen wie mit „Louie“. Die Emotionen gingen von tsunami-artiger Begeisterung bis herber Enttäuschung (Mitte der 2. Staffel). Ich musste gar am Ende der 2. Staffel, nach der wohl schlechtesten „Louie“-Episode überhaupt („Duckling“), eine Pause einlegen und kehrte erst anfangs der aktuellen 3. Staffel zurück. Ich kehrte zurück nicht weil ich jede Menge Freizeit hatte (Masterarbeit schreibt sich nicht von selbst..), sondern weil ich wusste, dass diese einmalige Show eine 2. oder 3. oder 4. Chance verdient hatte. Weil ich wusste, dass die Welt, die Louis C.K. größtenteils im Alleingang (Erfinder, Drehbuchautor, Regisseur, Hauptdarsteller) erschaffen hatte, noch viele Dinge für mich bereit hielt, die nur darauf warteten entdeckt zu werden. Ich sollte mich nicht täuschen.

Was die Serie schon immer ausgezeichnet hat ist die surreale Darstellung realer Emotionen und Lebensaufgaben. Sei es die Erziehung von Kindern, der Dialog mit der Familie oder das Finden eines Lebenspartners, in „Louie“ werden solche Themen teilweise abstrakt komisch, aber immer unverkrampft und ehrlich aufgegriffen. In Form von meist unzusammenhängenden, kurzfilmartigen Episoden taucht man in den Mikrokosmos eines alleinerziehenden Vaters zweier Töchter ein. Der Hauptcharakter ist dabei eine Spiegelung des Zuschauers, da Louie oft genauso verblüfft ist über die Geschehnisse um ihn herum wie der stille Beobachter außerhalb. Manchmal wird Louie aber auch Teil der ihn umgebenen Surrealität und lässt uns im Stich. Das ist jedoch in diesem Fall keine Kritik. Traumartige Sequenzen in denen sich Louie beispielsweise vor Angst seinem Vater zu dem er jahrelang keinen Kontakt hatte zu begegnen zuerst auf einem Quadbike und dann auf einem Motorboot flüchtet („Dad“) fügen der Handlung eine neue Ebene hinzu, in die man sich als Hobby-Analytiker festbeißen kann.

Wie man an dieser Sequenz sieht nimmt sich die Serie jegliche Freiheiten die sie braucht um die emotionale Welt des Hauptcharakters möglichst lebendig darzustellen. Dabei bleibt Kontinuität zumeist auf der Strecke. Die Episoden bauen selten aufeinander auf. Was in der einen als wahr dargestellt wurde, muss nicht unbedingt für nachfolgende gültig sein. Louis C.K. hat selbst in mehreren Interviews klargestellt, dass ihm solche Dinge nicht wichtig sind und er gerne dem Zuschauer den Mittelfinger zeige. So werden Figuren eingeführt und wieder verworfen oder die gleichen Schauspieler spielen unterschiedliche Rollen (zugegebenermaßen recht selten). Nicht zuletzt werden auch vermeintliche Zuschauerlieblinge einfach aus der Show „rausgeschrieben“. Wer sich an so etwas wirklich stört, versteht, meiner Meinung nach, den eigentlichen Kern der Serie nicht.

„Louie“ ist ein Kaleidoskop, das eine Unmenge an interessanten Facetten aufbietet. Egal wie oft man hindurchschaut, egal wie oft man den einem doch eigentlich vertrauten Kristallen begegnet, durch das ständige Verschieben und Neujustieren entstehen neue Perspektiven und Eindrücke. Ein bestimmtes Thema oder ein Problem, welches einem schon unlängst in anderen Serien oder Medien begegnet ist, erhält durch eine ständig-stattfindende Frischzellenkur innerhalb der Serie einen neuen Twist verliehen. „Louie“ bleibt deshalb auch nach drei Staffeln interessant, lustig, merkwürdig und traurig.

Highlights der abgelaufenen 3. Staffel: „Daddy’s Girlfriend Part 2“, „Dad“, „Late Show Part 3“

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