RSS-Feed

Die besten Podcasts 2012

Veröffentlicht am

Hab in diesem Jahr das Medium „Podcast“ für mich entdeckt. Mit dabei waren einige, die so gut sind, dass sie unbedingt vorgestellt werden müssen. Zu den Webseiten der Podcasts gelangt man nach nem Klick aufs jeweilige Bild. In Klammern befinden sich die Basisinfos (Wie oft kommt der Cast? Sprache? Länge?).

5) Judge John Hodgman (wöchentlich, Englisch, 45-80 min)

Im wöchentlichen Podcast von John Hodgman (The Daily Show) spielt der amerikanische Comedian/Autor Richter in dem er von Hörern eingeschickte Dispute auflöst. Dies geschieht in einer gefaketen Gerichtsverhandlung, wo beide Parteien, Kläger und Angeklagte, per Skype zugeschaltet sind. Moderiert wird die Sendung zum Teil von John Hodgman selbst. Die Rolle des zweiten Moderators (und Gerichtsvollziehers) übernimmt Jesse Thorn. Die Dispute sind auf den ersten Blick recht trivial (Darf man während eines Gespräches andauernd auf sein Handy starren? Muss man sein Kind über den Mythos des Weihnachtsmanns aufklären oder nicht?), entwickeln sich aber während der Episode oft zu komplexen, interessanten Studien kleinbürgerlicher Nöte und Zwänge. Die Fälle an sich sind nicht unbedingt das Highlight des Podcasts, sondern eher die Interaktionen zwischen Hodgman und den streitenden Parteien. So nimmt Hodgman z.B. die Rolle eines ultraelitären Schnösels an oder streitet darum wer das größere Nerdwissen hat.

4) Mikrodilettanten (unregelmäßig, Deutsch, ~1,5-2 Stunden + Postshow)

Drei Mid-30iger (zwei in Berlin, einer in Wiesbaden) mit den Namen Nicolas, Phil und Gero quatschen über jedes erdenkliche Thema. Von Nostalgieschwaffeleien aus der Kindheit über Filme bis hin zu den neusten Errungenschaften moderner Wissenschaft ist alles dabei. Nie mit dem nötigen Wissen um was beim Hören zu lernen, aber das ist definitiv nicht der Sinn dieses Podcasts. So richtig kann ich mir meine Faszination was die Mikrodilettanten angeht nicht genau erklären. So habe ich kaum etwas mit ihrer Generation gemein, und oft trifft auch ihr Humor nicht meinen Nerv (außer bei Phil, dessen trockene, teils lethargische Art sehr unterhaltsam sein kann), aber, wenn sie sich dann mal dazu aufbringen einen neuen Podcast aufzunehmen, bin ich immer am Start. Vielleicht ist es mein perverses Interesse am Hipstertum, welches sie ab und an raushängen lassen. Eine Besonderheit, die noch erwähnenswert ist, ist dass der Podcast „live“ aufgezeichnet wird d.h. man kann per Chat + Audiostream dabei sein und so z.B. das Podcastvergnügen verdoppeln/verlängern, da es nach der Liveaufzeichnung auch eine kleine Postshow gibt, die nicht im Podcast selbst landet.

3) Mike and Tom Eat Snacks (unregelmäßig, Englisch, ~45-65 min)

Der Titel sagt es schon. Es geht um zwei Männer, die vor laufendem Mikrofon verschiedene, ihnen von Zuhörern zugeschickte, Snacks essen. Zu einer wirklich ernsthaften Benotung dieser Snacks kommt es nie, denn die beiden sind meist eher damit beschäftigt verschiedene Fantasiegebilde voreinander aufzubauen und niederzureißen. So kann es durchaus sein, dass sie anfangs 10 Minuten damit verbringen darüber zu diskutieren wieso der eine den anderen als „besten Freund“ vorgestellt hatte, der andere ihn aber nur als „Freund“. Wer etwas mit Improcomedy (inkl. deadpan) anfangen kann, MUSS unbedingt in diesen Cast reinhören. Achso und der eine Typ spielt den Bruder von JD bei Scrubs.

2) AreaGamesCast (wöchentlich, Deutsch, 90-120 min)

Die selbsternannte „Heimat der Spielekonsolen“ ist gleichzeitig auch die Heimat für Mutter- und Peniswitze. In keinem mir bekannten Cast teilen die mitmachenden Parteien so oft gegeneinander aus wie hier. Inhalt und Logik haben sich der Punchline unterzuordnen! Die eigentlichen Themen (Videospiele und Videospielkultur) nehmen zwar den Hauptbestandteil des Castes ein und wer absolut nichts damit anfangen kann, könnte sich bei den teilweise ausufernden Diskussionen rund um aktuelle und nicht-mehr-so-ganz-aktuelle (Johannes Krohn muss noch das eine Spiel von 2002 nachholen!) Spiele fehl am Platz fühlen, ABER, wenn man sich auf die Wortgefechte zwischen den Protagonisten einlässt und nur ein Fünkchen digitalen Blutes in sich trägt, wird diesen Podcast sehr schnell ins Herz schließen.

1) 16 und Zwei + Zwei alte Hasen/Joko und Klaas mit Olli und Jan/„Joko und Klaas mit Olli und Jan“ mit Olli Schulz und Jan Böhmermann/Sanft & Sorgfältig (wöchentlich, Deutsch, 45-70 min)

Kommen wir zum krönenden Abschluss dieses Rankings, bei dem es nur einen einzigen Gewinner geben kann, es aber zwei geworden sind. Es geht um zwei kleine Radiosendungen, die im deutschen Rundfunk laufen und die es Internet-sei-Dank auch als normalen Podcast gibt (ohne nervige Musikeinspieler). Auf dem güldenen Treppchen kabeln sich hierbei zwei Konzepte.

„16 und Zwei“ ist eine Show bei der Joko Winterscheidt (MTV Home, NeoParadise) und Olli Schulz (Musiker, NeoParadise) unterschiedliche Orte besuchen und Abenteuer bestehen (Thai-Massage bekommen, Schauspielschule und Weihnachtsmarkt besuchen usw.). Dabei agiert „Medien-Profi“ (Zitat Olli Schulz) Winterscheidt zumeist als „straight man“ zum hibbeligen, anarchischen Schulz. Die Kombination funktioniert also durch die krassen Gegensätze der beiden Figuren. Auch wenn Schulz mit seiner die-ganze-Bühne-an-sich-reißenden Art sehr viel Handlungsspielraum bekommt, verliert der dann oft ruhig und abwartend agierende Winterscheidt nichts an seiner Effizienz. Der letztere ermöglicht dadurch nicht zuallerletzt Schulz sein komplettes Potential als geborener Unterhalter auszuschöpfen, ähnlich einem Dompteur in der Manege.

Die zweite Show hat mehrere Namen und Gesichter  durchlebt bis sie dieses Jahr tatsächlich ihren Höhepunkt erreicht hatte u.a. in dem Klaas Heufer-Umlauf durch Olli Schulz ausgetauscht wurde. Der letztere gesellte sich zu Jan Böhmermann (Roche & Böhmermann) dazu, welcher vorher die Sendung mit besagtem Heufer-Umlauf (MTV Home, NeoParadise) geleitet hatte. Das Format ist ein anderes als bei „16 und Zwei“, da es hier einer klassischen Radiosendung, zumindest vom Aufbau her, entspricht. So kann z.B. in die Sendung reingerufen werden und es gibt mehr oder weniger regelmäßige Rubriken (Gespräch mit Ulli Zelle, einem Fernsehmoderator). Auch klingen die behandelten Themen oft nach seichter Radiounterhaltung (Falscher Stolz, Relativität des Glücks). Wenn man jedoch die Lauscher aufsperrt, fragt man sich unweigerlich ob die beiden Moderatoren wirklich auf einem rbb-zugehörigen(!) Sender ihre Show in den Äther strahlen oder man sich nicht ganz tief im rechtsfreien Podcastaufnahmeraum des Internets befindet. Schulz und Böhmermann scheinen komplette Narrenfreiheit zu haben. Sie dürfen sagen was sie wollen, Tabus gibt es keine. Sie laufen wie zwei nackte, aus der Irrenanstalt entflohene Patienten auf der Straße kreuz und quer und brabbeln alles was ihnen in den Sinn kommt. Es funktioniert so gut, weil sie sich an sich gegenseitig abarbeiten können. Ihr teilweise bewusst extremer Humor (sie spielen die meiste Zeit übertriebene Versionen ihrer Selbst) umfasst Behindertenwitze, Geständnisse über Tierquälerei und Nazipersiflagen. Zur Hochform laufen sie auf, wenn sie sich gegenseitig genügend Raum geben ihre Fantasie spielen zu lassen. Hoch anzurechnen ist ihnen auch der völlig abgehende Respekt vor dem Zuhörer bzw. Anrufer. So werden im Besonderen die letzteren oft immer und immer wieder verarscht und dienen eher als Material für Humor als Meinungsbarometer. Wem bewusst ist, dass man über alles lachen kann und sollte (jeder hat ein Recht auf Intoleranz), muss sich unbedingt die Sendung zu Ohren führen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: