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Missbrauch und Kontrolle – Aufgedeckt: Das Präparat „Morphidat“ verbreitet Schrecken, vor und hinter den Kulissen

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Missbrauch und Kontrolle

Aufgedeckt: Das Präparat „Morphidat“ verbreitet Schrecken, vor und hinter den Kulissen

Von Regina Prosthov

Berlin Rot – eine Farbe für Gefahr. Auch die Form sollte angsteinflößend sein. Zugespitzte, fingernägelartige Tabletten, die jederzeit bereit sind sich in den Körper zu bohren. So sieht das Präparat der Firma „nooze inc.“ aus, welches „alle Träume, alle Wünsche und Hoffnungen“  (Zitat auf der Webseite der Firma) erfüllen soll. „Morphidat“ heißt es und kommt in einer unschuldigen, hellblauen Verpackung daher, auf der eine Comic-Frau sich ruhig in den Schlaf wiegt. Dass die Droge sowohl gesundheitsschädlich als auch potentiell lebensgefährlich ist, steht jedoch weder auf der Webseite, noch in der beiliegenden Gebrauchsanweisung. Das musste nun ein Familienvater aus Wuppertal (der Globus berichtete) am eigenen Leibe erfahren. Er hatte das Medikament genommen, weil er an extremen Schlafstörungen litt. Zynisch könnte man sagen, dass er es doch hätte wissen sollen. Schließlich gab es bereits eine Vielzahl weiterer Vorfälle, die man definitiv auf das Präparat zurückschließen kann. Eine Frau aus Köln musste nach der Einnahme im Krankenhaus wiederbelebt werden. Erst letzte Woche kam ein Kind mit einer Morphidroxoltetrabromid-Vergiftung (der Wirkstoff von „Morphidat“) in ein Krankenhaus in Hamburg. Als ich mich nach diesem aktuellen Vorfall mit einem Mitarbeiter zu dem Hauptfirmensitz von „nooze inc.“ in Berlin aufmachte, war der Empfang äußerst kalt. Keiner war bereit für ein Interview oder gar eine Stellungnahme zum Todesfall und den anderen Vorkommnissen. Was jedoch noch mehr schockierte ist, dass wir nach nur 10 Minuten unter Androhung von Gewalt vom Gelände geführt wurden. Auf dem Angestelltenparkplatz trafen wir auf einen Mitarbeiter der Firma, der jedoch auch zu keiner Aussage zu bewegen war. Aufgescheucht, gar panisch flüchtete er Richtung Gebäudeeingang. Wütend verließen wir das Firmengelände. Wütend, nicht weil wir keine Informationen erhalten hatten, wütend, weil die Ungerechtigkeit gegenüber der Wuppertaler Familie immer noch schmerzt wie eine offen Wunde. Wieso ist keiner bei „nooze inc.“ gesprächsbereit? Wieso stellt sich keiner der Verantwortung und nimmt endlich seine Schuld auf sich? Eine Familie in Wuppertal trauert.

Globus, Ausgabe vom 05.01.2014

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